Schweißnähte

Herausforderungen beim Schleifen von Schweißnähten

Ziel eines jeden Schweißvorgangs ist eine optimale Schweißnahtqualität. Dabei soll die Naht nicht nur allen auftretenden Belastungen widerstehen, sondern auch eine optimale Geometrie aufweisen. Um dies zu gewährleisten, müssen die Nähte mit den passenden Werkzeugen und geeigneten Schleifmitteln vorbereitet, abgetragen und gereinigt werden.

Die Phasen des Schleifens

Unabhängig von der verwendeten Art des Schweißens werden die entstandenen Schweißnähte in drei Schritten nachbereitet:

  1. Anfasen

Beim Vorbereiten (Anfasen) verwendet man üblicherweise handgeführte Winkelschleifer. Bei der industriellen Bearbeitung großer Dickbleche verwendet man auch stationäre Bandschleifmaschinen.

  1. Abtragen

Zum Abtragen der Schweißnähte verwendet man Schruppscheiben, Fiberscheiben, Fächerscheiben und Schleifbänder. Vorzugsweise kommt dabei keramisches Präzisionskorn zum Einsatz.

  1. Reinigen und Finishen

Beim Reinigen bzw. Finishen verwendet man spezielle Grobreinigungsscheiben. Üblicherweise sind sie mit sehr starkem kornbeschichtetem Vlies, extrudierten Kunststoffbürsten oder Lamellenbürsten ausgestattet.

Die wichtigsten Grundlagen beim Bearbeiten von Schweißnähten

Bei der Bearbeitung einer Schweißnaht beginnt man grundsätzlich mit der feinst möglichen Körnung. Sollte die Abtragsleistung nicht ausreichend bzw. die Schweißnaht zu groß sein, wechselt man auf die nächst gröbere Körnung. Dabei ist zu beachten, dass zu grobes Korn zwangsläufig zu einem höheren Nachbearbeitungsaufwand führt.

Bei der Bearbeitung von Baustahl, Schmiedestahl und Aluminium arbeitet man mit der maximalen Drehzahl. Bei rostfreiem Edelstahl reduziert man um 20 – 30 %. Wichtig ist weiterhin die Wahl eines angemessenen Anpressdrucks. Das bedeutet nicht, dass man zu wenig drücken soll. Da dabei lediglich Reibungswärme entsteht, aber kein Schnitt ausgeführt wird, würde die behandelte Stelle sofort verglasen. Ebenso ist ein zu hoher Druck zu vermeiden, der zu einer erhöhten Wärmeentwicklung und einem geringeren Materialabtrag führen würde. Der Anstellwinkel sollte etwa 10 – 15 % betragen.

Besondere Herausforderungen beim Schleifen von Schweißnähten

Das Schleifen von Schweißnähten stellt sowohl unter dem Gesichtspunkt des bearbeiteten Materials als auch unter dem Gesichtspunkt der Geometrie eine Herausforderung dar. Das betrifft vor allem die Bearbeitung von Edelstählen und Kehlnähten.

  1. Das Schleifen von Edelstählen

Die professionelle Bearbeitung von Edelstahl ist nicht nur aufgrund der optischen Qualität eine Herausforderung. Ein zentrales Problem stellt hier die Korrosion dar. Beim Kontakt mit Normalstahl und anderen Werkstoffen kann Edelstahl nämlich korrodieren.

So ist beispielsweise bei der mechanischen Behandlung von CrNi-Stahlnähten durch Bürsten oder Schleifen darauf zu achten, dass ausschließlich eisenfreie Schleifmittel verwendet werden. Ein Schleifwerkzeug darf unter keinen Umständen erst auf Normalstahl und dann auf Edelstahl eingesetzt werden. Um der Korrosion vorzubeugen, sind auch Schleifstäube gründlich von allen Flächen zu entfernen. Außerdem müssen die Bearbeitungstemperaturen niedrig genug sein, um die Entstehung von Chromcarbiden zu verhindern. Andernfalls kann es zu interkristalliner Korrosion kommen.

  1. Das Schleifen von Kehlnähten

Das Schleifen von Kehlnähten stellt aus anderen Gründen eine besondere Herausforderung dar. Hier sind es vor allem die begrenzten Platzverhältnisse, die der Bearbeitung von Nähten an der Innenseite winklig zusammenstoßender Teile viel Fingerspitzengefühl abverlangen. Das ist etwa bei Vierkantprofilen oder Edelstahlhandläufen der Fall. Hier kommt es darauf an, die Rautiefe mit dem richtigen Werkzeug zu reduzieren.

Im ersten Schritt verwendet man einen Kehlnahtschleifer mit einer hartgepressten Kompaktvliesscheibe mit Präzisionskörnung, um zunächst die Schweißraupe zu entfernen. Wichtig ist dabei das exakte Führen der Scheibe auf der Schweißnaht. Im zweiten Schritt nutzt man eine weichere Kompaktvliesscheibe, um die Rautiefe zu reduzieren und Anlauffarben auf beiden Seiten der Schweißnaht zu entfernen. Auch ein Faservlies-Handpad mit feinummantelter Kornbeschichtung ist hierbei zu empfehlen.

Bild: © ammina/Adobe Stock

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